Spectral and Spatial Investigation of Ocean Tide Signatures in GRACE(-FO) Post-Fit Residuals

verfasst von
Igor Koch
betreut von
Jakob Flury
Abstract

Das Gravity Recovery And Climate Experiment (GRACE, 2002–2017) war die erste Satellitenmission, die das Low-Low-Satellite-To-Satellite-Tracking (LL-SST) einsetzte, und die erste Mission, die in der Lage war, Massenvariationen auf der Erde zu verfolgen. Seit 2018 befindet sich die Nachfolgemission GRACE Follow-On (GRACE-FO) im Orbit. Das LL-SST-Konzept besteht aus zwei identischen Satelliten, die die Erde in einem gemeinsamen Orbit hintereinander umkreisen und durch einen Abstand von etwa 220 km getrennt sind. Dabei wird der Abstand zwischen den Satelliten präzise von einem K/Ka-Band-Ranging-System erfasst und dient als Hauptbeobachtung für die Berechnug monatlicher Schwerefeldlösungen. Diese Schwerefeldprodukte sind von zentraler Bedeutung für die Untersuchung von Massenvariationen im Erdsystem. Der Prozess der Berechnung monatlicher Schwerefeldlösungen umfasst die Satellitenorbitmodellierung und die Parameterschätzung als zentrale Komponenten. Da die präzisen Distanzmessungen des K/Ka-Band-Ranging-Systems Informationen über alle auf die Satellitendynamik wirkenden Einflüsse enthalten, werden während der Satellitenorbitmodellierung verschiedene Hintergrundmodelle eingesetzt, um die Signale, die konventionell Teil der Schwerefeldlösungen sein sollten, von Störbeiträgen zu trennen, die beispielsweise mit Gezeiten, gravitativer Anziehung durch Himmelskörper und schnellen Massenvariationen in der Atmosphäre und den Ozeanen zusammenhängen. Ungenauigkeiten der Ozeangezeitenmodelle gelten als wesentliche Faktoren, welche die Qualität der GRACE- und GRACE-FO-Schwerefeldprodukte beeinträchtigen. Ozeangezeitenmodelle weisen insbesondere in Polargebieten erhebliche Ungenauigkeiten auf, da dort präzise Satellitenaltimetrie-Beobachtungen fehlen, sowie in Flachwasserbereichen, wo die Dynamik der Ozeangezeiten komplexer ist als in offenen Ozeangebieten. Im Rahmen dieser Arbeit wurde erstmals eine Spektralanalyse durchgeführt, um Ozeangezeiten-Signaturen in den LL-SST-Post-Fit-Residuen zu untersuchen. Monatliche Schwerefeldlösungen und die dazugehörigen K-Band-Range-Rate-Post-Fit-Residuen für den Zeitraum von April 2002 bis September 2023 wurden berechnet. Die erhaltenen Range-Rate-Post-Fit-Residuen wurden einer Tiefpassfilterung unterzogen, numerisch differenziert und einem globalen 5°×5°-Gitter zugewiesen. Lomb–Scargle-Periodogramme wurden für die Zeitreihen in jedem Raster berechnet und anschließend auf Frequenzen mit signifikanten Amplituden auf globaler Ebene analysiert. Insgesamt wurden über 30 auffällige Gezeitenfrequenzen identifiziert, die nicht nur den wichtigsten gravitationsbedingt angeregten Gezeitenkonstituenten entsprechen, sondern auch kleineren Grad-2-Gezeiten, Grad-3-Gezeiten, nichtlinearen Gezeiten und Strahlungsgezeiten. Mit Ausnahme einiger weniger Gezeitenkomponenten zeigen die entsprechenden Amplitudenkarten fast ausschließlich erhöhte Amplituden in Polarregionen, entlang von Küstenlinien und in einigen begrenzten Regionen des offenen Ozeans. Die komplexeste Region, in der eine große Anzahl von Gezeitenfrequenzen erhöhte Amplituden aufweist, ist das Weddellmeer. Obwohl die meisten der identifizierten Gezeitenfrequenzen während der Orbitmodellierung berücksichtigt wurden, was bedeutet, dass die Amplituden in den Periodogrammen ein Residualsignal gegenüber dem verwendeten Ozeangezeitenmodell darstellen, wurden mehrere unmodellierte Frequenzen identifiziert. Dazu gehören die Grad-3-Gezeiten 3M1, 3L2, 3N2, 3M3, die zusammengesetzten Gezeiten 2SM2 und 2MK3/MO3, sowie die Strahlungsgezeiten S3, T3, R3, wobei die beiden letzteren ihre Frequenzen jeweils mit den zusammengesetzten Gezeiten SP3 und SK3 teilen. Alle diese unmodellierten Gezeiten sind bisher kaum oder gar nicht untersucht worden. Ein globales Ozeangezeitenmodell für 3M3, das Altimetriedaten verwendet, wurde erst kürzlich veröffentlicht. Zurzeit sind für 3M1, 3L2, 3N2 altimetriebasierte Lösungen nur für die Breitengrade von −66° bis +66° verfügbar, nicht jedoch für die Polarregionen, wo gemäß der durchgeführten Spektralanalyse große Gezeitenvariationen existieren. Messdatenbasierte Ozeangezeitenlösungen sind für die anderen Frequenzen nicht vorhanden. Es wurde gezeigt, dass rein hydrodynamische Lösungen einen großen Teil des Grad-3- und des Strahlungssignals in den Post-Fit-Residuen erklären können. Für die identifizierten zusammengesetzten Gezeiten gibt es derzeit noch keine veröffentlichten hydrodynamischen Modelle. Eine Analyse von Altimetriedaten zeigt eine qualitative Übereinstimmung mit den 2SM2- und 2MK3/MO3-Mustern in den Post-Fit-Residuen. Die vorgestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Analyse von LL-SST-Post-Fit-Residuen, ein erhebliches Potenzial zur Validierung von Ozeangezeitenmodellen bietet. Zukünftige Untersuchungen sollten auch das Potenzial der Assimilation von LL-SST-Messungen in hydrodynamische Modelle untersuchen.

Organisationseinheit(en)
Institut für Erdmessung
Typ
Dissertation
Anzahl der Seiten
147
Publikationsdatum
21.01.2026
Publikationsstatus
Veröffentlicht
Ziele für nachhaltige Entwicklung
SDG 13 – Klimaschutzmaßnahmen
Elektronische Version(en)
https://doi.org/10.15488/20291 (Zugang: Offen)
 

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