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SILKNOW: Mit künstlicher Intelligenz Kultur bewahren

SILKNOW: Mit künstlicher Intelligenz Kultur bewahren

Gruppenfoto mit Mitgliedern des Projekts SILKNOW auf einer Treppe Gruppenfoto mit Mitgliedern des Projekts SILKNOW auf einer Treppe Gruppenfoto mit Mitgliedern des Projekts SILKNOW auf einer Treppe
© IPI
Ausschnitt zweier Seidenstoffe mit Blumenmustern (Design: Garin 1820) Ausschnitt zweier Seidenstoffe mit Blumenmustern (Design: Garin 1820) Ausschnitt zweier Seidenstoffe mit Blumenmustern (Design: Garin 1820)
© Foto: F. Rottensteiner / Design: Garin 1820

Seide – dieser Stoff steht seit Jahrhunderten für Luxus und Komfort, Handwerkskunst und Schönheit. Das von der EU geförderte H2020 Projekt SILKNOW möchte die Geschichte der Seidenproduktion in Europa bewahren und verbreiten – auch mit modernsten Methoden der künstlichen Intelligenz. Am 11. und 12. Dezember haben sich 20 Projektmitglieder aus Spanien, Italien, Polen, Frankreich und Deutschland am Institut für Photogrammetrie und GeoInformation (IPI) getroffen.

Von Fahnen über Überdachungen und Wandteppiche bis zu Möbeln, von Fächern bis hin zu Schwerthüllen, Brautkleidern und traditionellen Kostümen findet sich Seide in den letzten Jahrhunderten in unzähligen Zusammenhängen. Viele Menschen erleben persönliche Verbindungen zu diesem Erbe, verbunden mit individuellen Lebensgeschichten und kollektiven Erzählungen. Der Seidenhandel ermöglichte jahrhundertelang den Austausch von Ideen und Innovationen. Lochkarten wurden zum ersten Mal in Jacquard-Seidenwebstühlen verwendet, lange bevor moderne Computer überhaupt erfunden wurden.

Traditionsreiche Handwerkskunst - modernste Technologien

Heute stellen Seidentextilien jedoch ein stark gefährdetes kulturelles Erbe dar. Handwerkliche Webtechniken geraten in Vergessenheit. Unter Einsatz modernster Technologien möchte das Projekt SILKNOW den Glanz der Seide in Europa und weltweit für die Vergangenheit und für die Zukunft demonstrieren. Dafür arbeitet ein multidisziplinäres Team zusammen, das Bereiche wie Informatik, Textanalyse, Bildverarbeitung, aber auch Kunstgeschichte, 3D-Druck, Textilherstellung und -konservierung umfasst.

Seidenstoffe mit KI klassifizieren

Am Institut für Photogrammetrie und GeoInformation forscht ein Team um apl. Prof. Franz Rottensteiner an Methoden der künstlichen Intelligenz, um aus Bildern von historischen Seidenstoffen Informationen über die abgebildeten Stoffe wie etwa die Entstehungszeit und der Entstehungsort abzuleiten. Aus vorhandenen Daten lernt ein künstliches neuronales Netz, wie beispielsweise Seidenstoffe einer bestimmten Epoche aussehen, um danach dieses gelernte Modell auf andere Bilder von Seidenstoffen anzuwenden. Mit dieser automatischen Klassifikation können Sammlungen ergänzt werden, die lückenhafte oder nicht standardisierte Daten enthalten. Kulturhistorikern erleichtern diese vereinheitlichten Informationen und erweiterte Suchfunktionen künftig die Suche über verschiedene Sammlungen hinweg.

Virtueller Webstuhl

Zudem entsteht im Rahmen von SILKNOW  ein "virtueller Webstuhl", in dem verschiedenste Webtechniken visualisiert und für künftige Generationen bewahrt werden sollen. Der Sprachschatz in Bezug auf Seide soll zudem unter anderem mit einem mehrsprachigen Open-Access-Thesaurus zugänglich gemacht werden. SILKNOW möchte damit neben Museen und Forschungseinrichtungen auch andere Bildungseinrichtungen, die Kreativwirtschaft sowie Medien und den Tourismus unterstützen.

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